Frau Balzli mit Amai, Emmental

Eigentlich ist alles perfekt: Mein Traumhund Amai, eine Rhodesian-Ridgeback-Hündin, wurde bei einer verantwortungsvollen Züchterin geboren, optimal geprägt und sozialisiert. Im Alter von neun Wochen kam sie zu uns.
Wir besuchten die Welpenspielstunden und danach ging es weiter mit dem Junghundekurs. Seither besuchen wir wöchentlich die Hundeschule und haben viel Spass daran, immer wieder neue Dinge zu lernen. Amai entwickelte sich zu einer sehr angenehmen, freundlichen und gut gehorchenden Begleiterin, die uns keine Sorgen und Probleme machte.
Obwohl sie von Anfang an viel Umgang mit Artgenossen hatte, war sie bei Begegnungen mit fremden Hunden immer eher unsicher, zurückhaltend und abwartend. Wenn die Hunde zu grob und wild waren, wollte sie nicht spielen und fühlte sich schnell von ihnen bedrängt. Ich dachte mir nichts Böses dabei und war bis dahin auch der Ansicht, dass die Hunde das schon selber regeln und man sie am besten einfach machen lässt.
Es folgten ein paar Begegnungen mit Hunden an der Leine, die plötzlich auf Amai losgingen und sie mächtig erschreckten. Und irgendwann fing auch sie an, sich an der Leine schlecht zu benehmen. Anfangs bellte sie nur zurück, wenn der andere damit angefangen hatte, aber eh ich es mich versah, war sie zu einer leinenaggressiven Furie geworden, die praktisch jeden Hund anpöbelte, dem wir an der Leine begegneten.
Bald gab es nur noch Freund- oder Feindbegegnungen auf unseren Spaziergängen und die Feinde überwogen leider eindeutig. Fast täglich kamen neue dazu. Auch die Vehemenz, mit der Amai auf andere Hunde reagierte, nahm stetig zu und ich hatte zunehmend Mühe, meinen 40-Kilo-Hund gebändigt zu kriegen.
Und wehe, sie konnte sich losreißen! Dann ist sie ohne Zögern zu dem Hund hingebrettert und hat ihn angerempelt oder sogar runtergedrückt. So wurde jeder Spaziergang zum Spießrutenlauf und ich weiß nicht, wer von uns beiden beim Anblick eines sich nähernden Hundes mehr Adrenalin ausgeschüttet hat.
Natürlich habe ich diese Entwicklung nicht einfach tatenlos hingenommen. Mir war relativ schnell klar, dass ich etwas unternehmen musste. Aber keiner der Hundetrainer, die ich konsultierte, brachte mich weiter oder hatte auch nur annähernd Lösungsvorschläge parat, die sich mit meinen Vorstellungen deckten.
Amai zum Beispiel für immer am „Halti“ zu führen, war für mich keine befriedigende Lösung. Ich wollte ja ihr Verhalten an der Leine verändern und sie nicht einfach nur körperlich dominieren und so verhindern, dass sie auf andere Hunde losgehen konnte. Die Wochen und Monate vergingen. Unterdessen hatte ich mich durch die gesamte Fachliteratur zum Thema Leinenaggression gelesen.
Nur leider konnte ich die Tipps alleine irgendwie nicht umsetzen. Als ich es schon fast aufgegeben hatte, jemals einen guten „Hundeflüsterer“ zu finden, bin ich in einem Magazin auf Frau Mantel gestoßen und dachte mir: Jetzt versuchst du's noch ein letztes Mal!
Bei unserem ersten Treffen wollte Frau Mantel alles über Amais Vorgeschichte erfahren und stellte Amai dann während eines langen Spaziergangs auf sich ein. Amai zeigte sich sehr beeindruckt und so verunsichert, dass sie mir schon fast wieder leidtat. Da ich Frau Mantel aber vertraute, zog ich das Training genau so durch, wie sie es mir gezeigt hatte, und tatsächlich stellten sich rasch erste Fortschritte ein. Ich begann wieder Mut zu fassen.
Unterdessen sind Monate ins Land gezogen und ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, wann Amai das letzte Mal an der Leine andere Hunde angepöbelt hat. Sie ist nach wie vor nicht völlig entspannt, wenn wir Hunden begegnen, vor allem nicht, wenn es sich um ehemalige Feinde handelt, aber sie kann sich beherrschen, selbst wenn der andere sie anpöbelt.
Und ich kann sie sogar ohne Leine an andern Hunden vorbeiführen. Frau Mantel steht mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Sie hat mit ihrer ruhigen, aber bestimmten Art auch mir geholfen, Amai gegenüber sicherer aufzutreten und ihr in diesen heiklen Situationen klar zu zeigen, was ich von ihr will und was nicht.