Familie B., Donaueschingen

Oft geht man Probleme ja so wirklich erst dann an, wenn es schon recht spät ist. Und so dachten wir nach einem abermals enttäuschenden Ausflug mit Fido: Ich habe keine Lust mehr auf diesen Hund! Natürlich sind das Gedanken, die man nie laut aussprechen würde, und selbstverständlich hatte ich auch nie ernsthaft vor, unseren allerliebsten Macken-Hund abzugeben. Doch er war nun mal da, dieser Gedanke, und allein dieser Umstand führte uns dazu, eine Hundetherapeutin nach Hilfe zu fragen. - Ist auch nicht unbedingt das Leichteste, seine Fehler im Umgang mit seinem liebsten Tier eingestehen zu müssen. Doch gemessen am Ergebnis ist das ein lachhafter Preis.
Unser Problem kurz zusammengefasst: Fido ignorierte uns zusehends. Wenn wir mit ihm draußen waren, bin ich mit meiner Frau spazieren gegangen und Fido hatte seinen eigenen Spaß. Wenn wir ihn riefen, zeigte er uns den nicht existierenden Mittelfinger und schnüffelte weiter nach seinen viel spannenderen Mauselöchern. Mit den allerbesten Leckerlis war er nur widerwillig bereit, zu uns zu sehen. Selbst Leberwurst, Lachscreme und Käse hätten nach zwei Monaten nicht mehr geholfen, da bin ich mir ziemlich sicher. Dann hätte wohl nichts mehr geholfen.
Dazu kam noch, dass Fido jeden „Eindringling“ in unsere Wohnung anbellen musste und auch mächtig zu ihm hinrannte, um sein lautes Bellen zu unterstreichen. Er hatte keine Lust, sein Gebiet mit jemand anderem zu teilen und tat dies durch laute Äußerungen kund. Wir konnten unseren Besuch nicht unbeaufsichtigt in einem Raum lassen und schnelle Bewegungen unsere Freunde wurden mit einem lauten Knurren oder auch mit einem schnellen Hinrennen und Bellen quittiert. Entspannt ist sicherlich etwas anderes.
Diese beiden „Macken“ veranlassten uns dazu, Frau Mantel zu rufen und um Rat zu bitten. Ich will auch kurz darauf eingehen, dass Fido ein Tierheimhund ist, der mit einem halben Jahr aus Bulgarien nach Deutschland kam. - Nicht unbedingt der einfachste Start in die Herrchenkarriere, aber diese Kulleraugen und das süße Bellen, man kennt das ja…
Auch möchte ich dazu sagen, dass wir uns dieser Aufgabe bewusst waren und brav in jede Hundeschulstunde gegangen sind. Fido ist ein ausgesprochener Turnierhundesport-Fan und wird zu jedem Clickertraining-Trick animiert, den es gibt. So kann er durchaus zwischen Sitz und Platz unterscheiden, springt auf Kommando auf Baumstämme und holt mit Vorliebe sein Halsband selbst, wenn er aufgefordert wird. Ausgelastet in körperlicher wie in psychischer Hinsicht, da kann er doch keine Probleme machen, dachten wir. Falsch lagen wir!
Und dann kam Frau Mantel und krempelte mal eben unseren Umgang mit Fido um ... Als erstes gab es die Einschätzung, dass Fido einen Wachhund mit in seinen Hundegenen hat und man dies entsprechend berücksichtigen müsste. Der Hundeplatz kam in eine weniger frequentierte Ecke. Fido sollte dort bleiben, wenn Besuch kommt, und nicht grummeln. Sonst, ja sonst fliegt ein Schlüssel dicht neben ihn auf sein Kissen! Im Nachhinein gesehen war es genau das, was wir brauchten. Wenn die Hundeschule als heiliges Mantra positive Bestätigung predigte, fehlte mir schon immer dieser kleine Zusatz: Wie zeige ich ihm auch mal die Grenzen auf, wenn er diese überschreitet? Wir hatten keine Ahnung! Kurz gesagt, konnten wir rein nur mit Leckerlis Fido keine Manieren beibringen.
Draußen war es immer das gleiche Spiel: Hörte Fido wieder einmal vehement weg, dann flog eben eine Kette dicht neben ihm auf den Boden. Das mussten wir nur einige Male machen. Da Fido ein recht schreckhafter Hund ist, wich er uns nach kurzer Zeit nicht mehr von der Seite. An diesem Tag hasste Fido Frau Mantel und ich fragte mich nach ihrem Weggang: Wenn wir das jetzt nachmachen, bringt uns das dann tatsächlich eine Verbesserung im Verhältnis zu Fido? Wir hatten unsere Zweifel.
Nach ungefähr zwei Monaten zweifelten wir nicht mehr. Ganz im Gegenteil: So abgedroschen es sich auch anhört, aber Fido ist nun genau dieser Hund wie wir uns ihn vorgestellt haben!
Vor allem draußen hat sich die Situation völlig gedreht. Die Kette musste am Folgetag noch zwei Mal geworfen werden und dann nie wieder. Fido hat nun verstanden, dass wir bestimmen, wann er was tun darf und wann nicht. Wir haben jetzt auch die Mittel, um ihm dies mitzuteilen. Und wie herrlich sind nun die gemeinsamen Stunden im Freien! Fido tollt herum, benimmt sich tatsächlich viel fröhlicher und ausgelassener als jemals zuvor, und lässt sich auch von Hunden ohne Probleme abrufen (die Königsdisziplin in der Hundeschule, sozusagen). Natürlich haben wir zuvor auch schon dafür mit ihm trainiert, doch mussten wir Fido letztlich erst in die richtige Bahn lenken.
Im Haus steht uns noch ein wenig Arbeit bevor. Unsere Ziele sind nun jedoch andere. Letztlich hatten wir zwei Freunde bei uns in der Wohnung und nachdem meine Frau und ich für 10 Minuten in der Küche waren, ist uns aufgefallen, dass sich unser Besuch alleine die Wohnung anschauen konnte. Es war uns noch nicht einmal aufgefallen, wie undenkbar uns dieser Umstand noch vor zwei Monaten erschien. Von lauten Familienfesten und Kindergeburtstagen sind wir noch einen Schritt entfernt, doch für diesen Schritt ist ja Frau Mantel da.
Abschließend bleibt uns nur nochmals danke zu sagen, denn nicht nur uns ist das neue Verhältnis zu unserem Hund anzusehen, auch Fido genießt die klare Rollenverteilung und dankt es auf seine Weise mit Spiel und Spaß.
Wir hätten nie gedacht, dass bereits zwei Stunden mit Frau Mantel solche Erfolge erzielen, wo wir doch gefühlte 1000 Stunden in der Hundeschule waren. Für manche Hunde mag die Hundeschule reichen, für andere aber eben nicht. Wir haben nun unseren Fido so, wie wir ihn uns wünschen, und er ist einfach nur zufrieden. Dies zu sehen, ist das Schönste.